AGMO-Intern

Das aktuelle AGMO-Intern (Nr. 2 / Mai 2016) kann hier heruntergeladen werden.

Glaube an Veränderung der politischen Situation – Bundesbeauftragter Koschyk im Gespräch mit der AGMO e.V.

In den 1980er Jahren Bundesvorsitzender der Schlesischen Jugend und ab 1987 BdV-Generalsekretär, wurde Hartmut Koschyk 1990 für die CSU in den Deutschen Bundestag gewählt. Dort - ebenso wie im Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland - setzte sich der Mitbegründer der AGMO e.V. für die Belange der deutschen Volksgruppen, besonders auch in der Republik Polen, ein. Seit 2014 bekleidet Hartmut Koschyk das Amt des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten. Im Interview mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der AGMO e.V., Tilman Fischer, zieht er Bilanz, blickt auf politische Erfolge der letzten Jahrzehnte zurück und spricht über die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft.

Wie kam es, dass Sie schon sehr früh in Ihrer politischen Laufbahn begannen, sich für die Volksgruppenrechte der Deutschen in Polen einzusetzen?

Ich stamme aus einer oberschlesischen Familie und bin sehr früh durch meine Eltern an die Thematik der Heimatvertriebenen, aber auch durch noch in Schlesien verbliebene Angehörige an die Lage der nach 1945 in Schlesien und anderen Gebieten östlich von Oder und Neiße verbliebenen Deutschen herangeführt worden. Deshalb ist das immer ein Teil meiner Identität gewesen und deshalb habe ich mich von frühester Jugend an mit dieser Thematik beschäftigt.

Wie haben Sie damals die Lage der Deutschen in der Volksrepublik Polen erlebt?

Ich erlebte etwa, wie ein Cousin von mir aus der damaligen Volksrepublik über Jugoslawien in die Bundesrepublik geflohen ist. Mit der politischen Thematik bin ich dann als Bundesvorsitzender der Schlesischen Jugend und durch die zusammen mit Peter Oprzondek aktiv betriebene Gründung der AGMO als einer Bundesarbeitsgemeinschaft der Schlesischen Jugend immer tiefer vertraut geworden.

Die AGMO in der Schlesischen Jugend. 1980er Jahre in Berlin

Wie wurde es damals im politischen Raum wahrgenommen, dass Sie gerade diese Problematik auf die Agenda setzten?

Wir haben vor allem in dem Bundestagsabgeordneten Dr. Alois Mertes, 1982 bis 1985 Staatsminister im Auswärtigen Amt, einen engagierten Mitstreiter gehabt: Er war der erste ranghohe politische Vertreter, der auf eine Parlamentsanfrage hin deutlich gemacht hat, welche Zahl von Deutschen in der Volksrepublik Polen lebten. Das hat damals zu einer scharfen Reaktion der kommunistischen Propaganda in Polen geführt. Es hab aber auch sehr engagierte Abgeordnete der deutschen Bundestages – Helmut Sauer, Herbert Hupka, Herbert Czaja, Klaus Jäger – die für die Schlesische Jugend und die AGMO ein guter Partner gewesen sind. Wir haben damals als AGMO eine große Unterschriftensammlung gemacht für die Achtung der Rechte der deutschen Volksgruppe im seinerzeitig kommunistischen Polen: Über 20.000 Unterschriften übergaben wir im Mai1984 dem damaligen Staatsminister im Bundeskanzleramt, Friedrich Vogel. Vor allem die konsequent fallbezogene Arbeit, die fundierte Dokumentation von Einzelschicksalen, bei denen Deutsche die Repressionen im polnischen kommunistischen Staat erleiden mussten, hat immer stärker Beachtung gefunden. Das war seitens der AGMO wirklich das Novum im Einsatz für die Rechte der deutschen Volksgruppe in Polen.

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Archiv der AGMO e.V. an die Martin-Opitz-Bibliothek in Herne übergeben

Am 25. April 2015 waren der Ehrenvorsitzende und der Vorsitzende der AGMO e.V. zu Gast in der Martin-Opitz-Bibliothek (MOB) in Herne. Anlass war die Übergabe des Archivs der AGMO e.V. – Gesellschaft zur Unterstützung der Deutschen in Schlesien, Ostbrandenburg, Pommern, Ost- und Westpreußen, das in Herne einen dauerhaften Standort erhalten hat. Hier werden die Dokumente aus 36 Jahren politischer Arbeit für die und mit den Deutschen in der Volksrepublik und Republik Polen nicht nur dauerhaft unter Archivstandards fachgerecht aufbewahrt werden. Vielmehr werden sie bereits in absehbarer Zeit hier einer weitgehenderen wissenschaftlichen Erschließung zur Verfügung stehen, als es bisher in der Geschäftsstelle der AGMO e.V. in Bonn möglich war.

Dr. Tebarth (Direktor der MOB) und Dr. Körfer (Vorsitzender der AGMO e.V.)
bei der Vertragsunterzeichnung

Das Archiv dokumentiert nicht nur anhand der Geschichte des eigenen Verbandes – zunächst als Arbeitsgemeinschaft innerhalb der Schlesischen Jugend, später als eigenständige Menschenrechtsgesellschaft – spannende Einzelaspekte der jüngeren Vertriebenenpolitik. Exemplarisch sei auf die Übergabe einer AGMO-Petition an das KSZE-Expertentreffen über Menschenrechte in Ottawa (1985-1986) durch Abgeordnete des deutschen Bundestages verwiesen.

Vielmehr bietet das Archiv aufgrund der engen Beziehungen der AGMO e.V. zur deutschen Volksgruppe in teils einzigartigen Quellen Einblick in die Lage der Deutschen und ihrer Organisationen in der Illegalität vor dem Fall des eisernen Vorhangs und in die spätere Gründung und Etablierung des Deutschen Freundschaftskreises und der verschiedenen sozialkulturellen Gesellschaften im Bereich des VdG. Ab Oktober 1984 finden sich hier etwa Anträge bei verschiedenen polnischen Gerichten zwecks Gründung eines Verbandes der Deutschen. Ebenso ist das Gründungsdokument des damals illegalen Deutschen Freundschaftskreises aus dem Jahre 1985 im Archiv enthalten.

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Dissertation zum Thema „Das deutsche Volk in Polen nach 1945“

Vor einigen Monaten trat eine Doktorandin der Geschichte, Stipendiatin des Deutschen Historischen Instituts in Warschau und der Erich und Erna-Kronauer-Stiftung, an die AGMO e.V. heran und fragte, ob wir mit Informationen zu dem Thema ihrer Doktorarbeit behilflich sein könnten. Direkt war uns das zwar nicht möglich. Dennoch unterstützen wir jede Initiative die Geschichte der Deutschen in den Vertreibungsgebieten in Mittel- und Osteuropa wissenschaftlich aufzuarbeiten. So boten wir Teresa Willenborg an – sie ist Politikwissenschaftlerin und Historikerin an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität in Hannover – über Ihre Dissertationsschrift in AGMO-Intern zu berichten.

„Unbeschreiblich war die Wirrnis von Angst und Hoffnung, Zweifeln und Glauben, die die Menschen in dem Gebiet östlich von Oder und Neiße erfüllte. Im Grunde hatten die meisten von ihnen immer noch nicht den tiefen Umsturz begriffen, den das Ende dieses Zweiten Weltkrieges für Deutschland bedeutete“.(1)

Als im Januar 1945 die Rote Armee in Niederschlesien einzog, waren Gewalt und Vergewaltigungen an der Tagesordnung. Schutzlos war die deutsche Bevölkerung, der die Flucht nicht gelang, den Übergriffen russischer Soldaten ausgesetzt. Die ersten Anordnungen der russischen Kommandantur und der polnischen Behörden traten in Kraft. Alle deutschen Männer, Frauen und Kinder wurden zu Aufräumarbeiten, zur Beseitigung der Trümmer, zu Massenbeerdigungen der Toten gezwungen.

„Kinder während der Vertreibung aus Schlesien“
(Bildquelle: wikipedia.de)

Die rechtliche Grundlage für die Zwangsumsiedlung bildeten die Beschlüsse der Potsdamer Konferenz. In der Sitzung des alliierten Kontrollrates für Deutschland am 20. November 1945 in Berlin wurde ein Aussiedlungsplan mit Zeitrahmen und ungefähren Zahlen der Aussiedler erarbeitet. Dem Aussiedlungsplan zufolge sollten ca. 3,5 Mio. Deutsche aus dem Gebiet des polnischen Staates in die sowjetische (2 Mio.) und britische (1,5 Mio.) Besatzungszone umgesiedelt werden. Bereits im Juli und August 1945 kam es zu „unorganisierten“ bzw. „wilden“ Vertreibungen der Deutschen aus Schlesien, die von den polnischen Behörden bis 1947 durchgeführt wurden. Die damalige Stimmung beschreibt eine Niederschlesierin folgendermaßen: „Wir verlassen unsere mit Blut und Tränen verteidigte Heimat. Wir haben es ja nie glauben wollen, dass wir unser liebes Neisser Land an Polen verlieren könnten! Was bleibt aus unserer Heimat? Bald wird man kein deutsches Wort mehr hier hören…“.(2)

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Die gemeinnützige Gesellschaft wurde 1980 als Arbeitsgemeinschaft Menschenrechtsverletzungen in Ostdeutschland (AGMO) gegründet.
Die AGMO e.V. wurde im Jahre 1990 in das Vereinsregister eingetragen.